Reptilien sind Wirbeltiere, zu denen im üblichen Sprachgebrauch Schildkröten, Krokodile, Echsen, Schlangen und die Brückenechse gehören. Typisch sind eine schuppige beziehungsweise mit Hornschilden bedeckte Haut, Lungenatmung und eine starke Abhängigkeit der Körpertemperatur von der Umgebung. Ein Gecko ist beispielsweise ein Reptil; ein Salamander gehört zu den Amphibien.
Bei der Einordnung kommt es darauf an, wie der Begriff verwendet wird: Stammesgeschichtlich gehören auch Vögel in die Verwandtschaftsgruppe der Reptilien. Die folgende Übersicht beschreibt zunächst die heute lebenden, nicht zu den Vögeln gehörenden Reptilien. Den Unterschied der beiden Begriffsverwendungen erklären wir weiter unten.
Welche Tiere zählen zu den Reptilien?
Für einen ersten Überblick lassen sich vier große Gruppen unterscheiden. Die San Diego Zoo Wildlife Alliance stellt diese Gruppen gemeinsam vor. Sie sind keine Liste gleichartiger Terrarientiere: Schon innerhalb einer Gruppe unterscheiden sich Arten erheblich.
Schildkröten
Land- und Wasserschildkröten zählen zu den Reptilien. Der Aufenthalt im Wasser macht eine Schildkröte also nicht zum Amphibium. „Schildkröte oder Reptil?“ wäre keine Gegenüberstellung zweier getrennt stehender Gruppen: Schildkröten gehören zur umfassenderen Gruppe.
Echsen und Schlangen
Geckos und Eidechsen sind Beispiele für Echsen. Gemeinsam mit Schlangen und Doppelschleichen werden sie den Schuppenkriechtieren zugeordnet. Innerhalb dieser großen Verwandtschaftsgruppe gibt es sehr unterschiedliche Körperformen. Die Einordnung des North Carolina Biodiversity Project und der North Carolina State Parks zeigt diese Zusammenhänge.
Die Frage nach Beinen hilft allein nicht weiter: Auch eine Blindschleiche ist eine Echse, obwohl sie keine sichtbaren Beine hat. Die DGHT-AG Feldherpetologie ordnet heimische Blindschleichen entsprechend ein. „Lang und beinlos“ ist deshalb keine vollständige Definition für eine Schlange.
Krokodile und ihre Verwandten
Zur Gruppe der Krokodile gehören unter anderem die eigentlichen Krokodile, Alligatoren und Kaimane. Auch diese Tiere sind Reptilien. Für die Gruppenfrage ist ihre Zugehörigkeit entscheidend, nicht eine Ähnlichkeit mit der Körperform einer kleinen Echse.
Die Brückenechse
Die neuseeländische Brückenechse wird auch Tuatara genannt. Trotz ihres echsenähnlichen Aussehens gehört sie nicht zu den Schuppenkriechtieren, sondern zu einer eigenen Verwandtschaftslinie, den Schnabelköpfen. Das Artenporträt der San Diego Zoo Wildlife Alliance erklärt ihre besondere Stellung.
Eine Übersicht über Reptilien, die nur Schlangen, Echsen und Schildkröten nennt, lässt damit wichtige weitere Gruppen aus. Aussehen und umgangssprachliche Namen bilden die Verwandtschaft nicht immer vollständig ab.
Woran erkennt man Reptilien?
Mehrere Merkmale helfen bei der Einordnung. Sie ergeben zusammen ein verständliches Grundbild; ein einzelnes unscharfes Foto lässt sich damit nicht zwangsläufig sicher bestimmen.
Sie sind Wirbeltiere. Reptilien besitzen eine Wirbelsäule. Die Körperform oder die Art der Fortbewegung ändert an dieser Zugehörigkeit nichts. Auch eine Schlange ist ein Wirbeltier.
Ihre Haut trägt Schuppen oder Hornschilde. Diese Körperbedeckung hilft, den Wasserverlust zu begrenzen. Eine solche Haut ist aber keine Aussage darüber, dass jedes Reptil eine trockene Umgebung benötigt. Hautaufbau und Anforderungen einer bestimmten Art sind unterschiedliche Fragen.
Sie atmen mit Lungen. Auch wasserbewohnende Reptilien werden dadurch nicht zu Tieren mit Kiemenatmung. Die NC State Extension erläutert Haut und Lungenatmung der Reptilien.
Ihre Körpertemperatur hängt stark von der Umgebung ab. Das bedeutet nicht, dass sie ständig kalt sind. Dieser Punkt verdient eine genauere Erklärung.
Was bedeutet wechselwarm oder ektotherm?
„Wechselwarm“ beschreibt eine veränderliche Körpertemperatur. „Ektotherm“ bezieht sich dagegen auf die große Bedeutung äußerer Wärmequellen. Die Begriffe hängen zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Aspekte. Das Biologielehrbuch OpenStax unterscheidet diese Begriffe. Ein Tier kann etwa einen wärmeren Platz aufsuchen oder sich in einen kühleren Bereich zurückziehen. Solches Verhalten gehört zur Temperaturregulation. Die NC State Extension beschreibt diese Nutzung der Umgebung.
Die Formulierung „Reptilien können ihre Temperatur gar nicht regulieren“ wäre deshalb missverständlich. Ebenso wenig folgt aus „wechselwarm“ eine einheitliche Idealtemperatur für alle Reptilien. Die biologische Gemeinsamkeit ersetzt keine Prüfung der konkreten Art, Lebensphase und Umgebung.
Außerdem sind auch Amphibien stark von der Umgebungstemperatur abhängig. Wechselwarm zu sein trennt diese beiden Tiergruppen also nicht voneinander. Darauf weist der US National Park Service in seiner gemeinsamen Übersicht hin.
Legen alle Reptilien Eier?
Nein. Viele Reptilien legen Eier, aber es gibt auch lebendgebärende Echsen und Schlangen. Eierlegen allein ist daher kein zuverlässiges Merkmal, um jedes Reptil zu erkennen. Auch die Aussage „Ein Reptil muss aus einem außerhalb des Muttertiers abgelegten Ei schlüpfen“ wäre zu eng.
Reptilien haben kein mit einer Kaulquappe vergleichbares Larvenstadium. Ihre Jungtiere besitzen grundsätzlich bereits die Körperform ihrer Gruppe. Diese Entwicklungsmerkmale beschreibt der National Park Service. Daraus folgt jedoch nicht, dass Jungtiere und Erwachsene dieselben Haltungsbedingungen benötigen.
Sind Vögel ebenfalls Reptilien?
Traditionell werden Vögel und Reptilien getrennt behandelt. Stammesgeschichtlich stehen Vögel dagegen innerhalb der Reptilienverwandtschaft. Das North Carolina Biodiversity Project erklärt den Unterschied der beiden Einteilungen.
Vögel stammen aus einer Dinosauriergruppe, den Theropoden. Das Natural History Museum in London erläutert diese Abstammung. „Alle Dinosaurier sind ausgestorben“ lässt die heute lebenden Vögel außer Acht.
Prüfe bei unterschiedlich aufgebauten Tierlisten deshalb zuerst die verwendete Definition. Unsere Übersicht der vier Gruppen verwendet den traditionellen Umfang ohne Vögel. Ihre typischen Merkmale dürfen nicht unverändert auf Vögel übertragen werden.
Diese Vergleiche helfen bei häufigen Verwechslungen
Je nachdem, welche Begriffe du auseinanderhalten möchtest, führt ein anderer Vergleich weiter:
- Reptil oder Amphibium? Unser Vergleich von Reptilien und Amphibien erläutert Haut, Entwicklung und Atmung genauer und nennt wichtige Ausnahmen.
- Gecko oder Eidechse? Der Beitrag Gecko oder Eidechse: Unterschied und Einordnung klärt die Gruppenbegriffe. Ein Gecko gehört bereits zu den Echsen; die Wörter stehen daher nicht auf derselben Ebene.
- Gecko oder Salamander? Im Vergleich von Gecko und Salamander geht es um zwei ähnlich wirkende Körperformen aus unterschiedlichen Tiergruppen.
Die Gruppenübersicht hilft beim Verstehen dieser Namen. Für die Bestimmung einer konkreten Art sind weitere Merkmale und passende Artbeschreibungen nötig. Für eine Anschaffung kommen zusätzlich die Bedürfnisse genau dieser Art hinzu; aus der Bezeichnung „Reptil“ ergibt sich keine allgemeine Besatzempfehlung für ein Terrarium.


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